Wenn Budgets knapper werden, geraten Themen ohne sofort sichtbaren Return on Investment schnell unter Druck. Managed Services, Security und Nachhaltigkeit zählen oft dazu. Sie gelten als wichtig, aber nicht dringend.

Genau darin liegt die Gefahr. Denn ihr Wert zeigt sich häufig erst im Ernstfall: beim Systemausfall, beim Cyberangriff, bei fehlenden ESG-Daten oder nicht erfüllten Nachweispflichten. Darüber sprechen Christian Jung, Experte für Nachhaltigkeitsthemen bei T.CON, und Oliver Sonn, Experte für Managed Services, bei T.CON.

Christian Jung, Experte für Nachhaltigkeitsthemen bei T.CON (links) und Oliver Sonn, Experte für Managed Services bei T.CON (rechts).

Viele Unternehmen schauen aktuell sehr genau auf ihre Budgets. Ist es nachvollziehbar, dass Managed Services, Security und Nachhaltigkeit zurückgestellt werden?


Oliver Sonn:
Nachvollziehbar ist es, ja. Unternehmen müssen priorisieren. Gefährlich wird es aber, wenn nur zählt, was kurzfristig messbar ist. Ein stabiler und sicherer SAP-Betrieb erzeugt selten eine Schlagzeile. Er fällt meistens erst auf, wenn etwas nicht funktioniert: wenn Systeme ausfallen, Berechtigungen unklar sind oder Sicherheitslücken entstehen. Dann wird aus einem vermeintlichen Randthema sehr schnell ein Managementthema.

Christian Jung:
Bei Nachhaltigkeit ist es ähnlich. Viele Unternehmen denken gerade: Die Regulierung verschiebt sich, der Druck lässt nach, also können wir das später angehen. Aber die Anforderungen verschwinden nicht. Kunden, Banken, Investoren und Partner aus den Lieferketten fragen Nachhaltigkeitsdaten weiterhin ab. Wer jetzt alles aufschiebt, hat kurzfristig weniger, langfristig aber mehr Aufwand, der auch noch teuer ist und Innovationen bremst.
 

Das eigentliche Risiko liegt also darin, an der falschen Stelle zu sparen?


Oliver Sonn:
Genau. Ein Blick auf die Ausgaben zu werfen, ist nicht falsch. Aber es macht einen Unterschied, ob ich Kosten aktiv steuere oder an der grundlegenden Betriebsfähigkeit spare. Gerade in Cloud-Landschaften denken manche: SAP kümmert sich schon. Das stimmt nur teilweise. Bei Prozessen, Daten, Berechtigungen, fachlicher Konfiguration, Relevanzbewertungen und internen Entscheidungen bleiben Unternehmen verantwortlich. Wenn dort niemand hinschaut, entsteht kein effizienter Betrieb, sondern neue Unübersichtlichkeit.

Christian Jung:
Und bei Nachhaltigkeit ist es genauso. Es reicht nicht, irgendwann ein Tool einzuführen und zu hoffen, dass dann alles passt. Nachhaltigkeitsdaten müssen aus Prozessen kommen: aus Einkauf, Produktion, Logistik, ERP, Maschinen und Lieferketten. Wenn diese Daten heute nicht strukturiert und integriert sind, fehlt morgen die Grundlage für Reporting, Steuerung und Nachweise. Nicht jede Einsparung ist wirklich eine Einsparung. Manchmal verschiebt man Kosten nur in die Zukunft.

 

“Wer heute Transparenz über seine Nachhaltigkeitsdaten schafft, kann morgen schneller, sicherer und wirtschaftlicher handeln.”

Christian Jung, Experte für Nachhaltigkeitsthemen bei T.CON

Security und Nachhaltigkeit wirken sehr unterschiedlich. Was verbindet sie?


Christian Jung:
Beide Themen  sind im Alltag wenig sichtbar. Wenn Nachhaltigkeitsdaten optimal verfügbar sind und Standards erfüllt werden, ist das selten der Rede wert. Aber sobald Daten fehlen, Berechnungen unklar sind oder Kunden konkrete Informationen verlangen, wird es kritisch. Der Wert liegt oft nicht im großen Aha-Moment, sondern darin, vorbereitet zu sein.

Oliver Sonn:
Das gilt für Security fast eins zu eins. Wenn nichts passiert, wird schnell hinterfragt, warum in den Bereich investiert wird. Aber genau darin liegt ja der Return on Investment: Dass es mit guter Security, korrekt geregelten Berechtigungen, regelmäßigen Patches, klaren Rollen und einem funktionierenden Monitoring gar nicht erst zu Problemen kommt, sondern das System sicher, stabil und reaktionsschnell läuft.

Christian Jung:
Und beide Themen sind keine Schönwetterthemen. Man kann sie eine Zeit lang verdrängen. Aber wenn sie dann relevant werden, ist meistens viel Handlungsdruck dahinter. Und unter Druck sind sie fast immer teurer und riskanter.

 

  • ""Der beste IT-Betrieb ist der, über den niemand sprechen muss, weil er einfach funktioniert.“"

    Oliver Sonn

    Experte für Managed Services bei T.CON

Viele Unternehmen suchen bei Security- und Nachhaltigkeitsthemen zuerst nach dem passenden Tool. Ist Software der richtige Ausgangspunkt?


Oliver Sonn:
Software ist wichtig, aber nur ein Teil. Gerade im Cloud-Betrieb gibt es viele Plattformen, Services und Möglichkeiten für das Monitoring. Die Kernfrage ist: Was passiert mit den Informationen, die diese Systeme liefern? Wer bewertet sie? Wer reagiert, wenn etwas auffällig ist? Wer entscheidet, ob ein Patch relevant ist und wann er eingespielt wird?

Christian Jung:
Das sehe ich bei Nachhaltigkeit genauso. Eine Sustainability-Lösung kann Daten bündeln, CO₂-Berechnungen unterstützen oder Reportings vereinfachen. Aber wenn die Datenbasis nicht stimmt, hilft auch die beste Software nur begrenzt. Nachhaltigkeitsdaten entstehen ja nicht im Tool selbst, sondern kommen aus Einkauf, Produktion, Logistik, ERP, Maschinen oder Lieferketten.

Oliver Sonn:
Wer das nicht versteht, wiegt sich in trügerischer Sicherheit - nach dem Motto: Ist das Tool einmal eingeführt, scheint das Thema erledigt. Aber Systeme müssen betrieben, Berechtigungen gemanaged, Schnittstellen überwacht und Verantwortlichkeiten geklärt werden.

Christian Jung:
Genau. Software ist ein Enabler. Wirkung entsteht erst, wenn Software, Betrieb und Verantwortung zusammenspielen. Wenn ein Unternehmen belastbare ESG- oder CO₂-Daten braucht, muss klar sein, woher diese Daten kommen, wer sie beschafft und wie aktuell sie sind.

 

“Managed Services, Security und Nachhaltigkeit sind keine Kostenfaktoren. Sie sind Investitionen in die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.”

Oliver Sonn, Experte für Managed Services bei T.CON (links) | Christian Jung, Experte für Nachhaltigkeitsthemen bei T.CON (rechts)

Wie kann ein pragmatischer Einstieg aussehen?


Oliver Sonn:
Ich würde mit einem Betriebs- und Verantwortlichkeitscheck beginnen: Welche Systeme und Services sind im Einsatz? Wer ist wofür verantwortlich? Wie sind Berechtigungen geregelt? Wie laufen Patches, Security-Bewertungen und Service Requests? Wo entstehen Cloud-Kosten und wer prüft sie regelmäßig? Diese Fragen zu reflektieren und zu beantworten, zeigt in der Regel, wo akuter Handlungsbedarf besteht.

Christian Jung:
Bei Nachhaltigkeit ist der erste Schritt ähnlich, auch hier stellen sich Fragen, wie: Welche Daten sind vorhanden? Wo liegen sie? Welche Anforderungen betreffen uns wirklich? Welche Kennzahlen brauchen wir? Und welche davon können wir bereits aus bestehenden SAP-Prozessen ableiten? Wichtig ist, frühzeitig nach Antworten zu suchen – wenn der Druck noch nicht da ist.

Oliver Sonn:
Am Ende geht es bei beiden Themen um Handlungsfähigkeit. Wer beim Betrieb, bei Security oder bei Governance spart, spart oft an der eigenen Reaktionsfähigkeit.

Christian Jung:
Gleiches gilt für Nachhaltigkeit – es muss nicht jedes Unternehmen alles sofort umsetzen. Aber jedes Unternehmen sollte wissen, wo es steht. Wer diesen Überblick hat, kann gezielt handeln. Wer ihn nicht hat, reagiert irgendwann nur noch.

 

Wann sollten Unternehmen konkret über Managed Services nachdenken – und woran merken sie, dass der eigene SAP-Betrieb nicht mehr ausreichend aufgestellt ist?


Oliver Sonn:
Spätestens dann, wenn der Betrieb nur noch reaktiv funktioniert. Also wenn Teams hauptsächlich Tickets abarbeiten, Service Requests hinterherlaufen, Berechtigungen historisch gewachsen sind oder Security- und Patch-Themen immer wieder liegen bleiben, weil im Tagesgeschäft die Zeit fehlt. Das sind klare Signale.

Christian Jung:
Mit Auswirkungen auch auf Themen wie Nachhaltigkeit. Denn wenn Datenflüsse instabil sind, Verantwortlichkeiten unklar bleiben oder Schnittstellen nicht zuverlässig funktionieren, wird es schwer, belastbare Nachhaltigkeitsdaten aufzubauen. Dann merkt man: Es geht nicht nur um den IT-Betrieb, sondern um die Grundlage für viele weitere Themen.

Oliver Sonn:
Genau. Managed Services sind aus meiner Sicht dann sinnvoll, wenn Unternehmen ihren Betrieb professionalisieren wollen, ohne intern jede Rolle dauerhaft selbst vorzuhalten. Es geht nicht darum, Verantwortung komplett abzugeben. Sondern darum, klare Strukturen zu schaffen: Wer überwacht was? Wer bewertet Risiken? Wer begleitet den Transformationsprozess? Wer sorgt dafür, dass Systeme nicht nur laufen, sondern sicher, aktuell und wirtschaftlich betrieben werden?

Christian Jung:
Damit werden Managed Services auch zu einem Enabler. Nicht nur für Security, sondern auch für Compliance, Reporting und Nachhaltigkeit. Unternehmen schaffen damit eine stabile Basis, auf der weitere Anforderungen sauber umgesetzt werden können.

Oliver Sonn:
Mein Rat wäre: Nicht erst warten, bis es brennt. Wer merkt, dass Cloud-Betrieb, Security, Berechtigungen oder Kostensteuerung unübersichtlich werden, sollte frühzeitig prüfen, welche Aufgaben intern bleiben müssen und wo ein Partner sinnvoll entlasten kann. Das ist meist deutlich günstiger, als später unter Druck aufzuräumen.

Fazit

Managed Services, Security und Nachhaltigkeit haben eines gemeinsam: Die Themen werden oft erst dann konsequent angegangen, wenn das Problem schon da oder der Schadensfall bereits eingetroffen ist – dann kosten sie allerdings umso mehr Zeit, Ressourcen und Nerven. Besser wäre es, wichtige Entscheidungen frühzeitig zu treffen – damit Unternehmen allen Anforderungen gerecht werden und Vorteile nutzen können.

Werfen Sie einen kurzen Blick auf Ihren SAP-Betrieb: Sind die richtigen Maßnahmen für Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit bereits getroffen? Die folgende Checkliste liefert Ihnen wertvolle Impulse für eine erste Standortbestimmung.

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